Czech In! - Wie wär´s denn mal mit Tschechien?

Freundschaftliche Bande zwischen dem Buxheimer Marianum und dem Gymnasium in Pardubice / Tschechien

Ahoj“ heißt „hallo“, „na shledanou“ bedeutet „auf Wiedersehen“ und „dêkuji“ sagt man, wenn man sich bedanken möchte. Ein paar Wörter Tschechisch müssen schon sein, um für die Begegnungen mit den Freunden des Gymnáziums Dašická gerüstet zu sein, auch wenn diese Deutsch als zweite Fremdsprache lernen. Ein bunter Mix aus Deutsch, Tschechisch und Englisch ist jedenfalls stetiger Begleiter der Schülergruppen aus Buxheim und Pardubice während ihrer gegenseitigen Besuche.

Keine Grenzen mehr im Kopf

Seit dem 1. Mai 2004 ist die Tschechische Republik gleichberechtigtes Mitglied der Europäischen Union, seit September 2008 besteht die Schulpartnerschaft zwischen Buxheim und Pardubice. Auch wenn wir vor Antritt unserer Reise noch immer die Wechselstuben aufsuchen müssen, um unseren Euro in Tschechische Kronen umzutauschen, nehmen unsere Jugendlichen die Grenze zwischen den beiden Staaten kaum noch wahr. Sicher deswegen, weil sie selbst doch die engagiertesten Akteure des Dialogs zwischen den Nachbarländern sind. Über 20 Jahre nach den friedlichen Revolutionen im Osten gibt es auf der großen politischen Bühne weitgehend gute Beziehungen, auf den kleinen privaten Bühnen jedoch lebendigen Austausch und echte Freundschaften. So jedenfalls erlebe ich unsere Begegnungen zwischen den Jugendlichen aus dem Marianum und den Jugendlichen aus Böhmen, die zweimal pro Schuljahr stattfinden.

Warum gerade Tschechien?

„Warum gerade Tschechien?“, werden wir immer wieder gefragt. Zunächst einmal gibt es für unsere Schüler natürlich auch die Möglichkeit nach Frankreich zu fahren, um dort ihre Französischkenntnisse anzuwenden. Hier besteht seit über 20 Jahren ein Austausch mit dem E.S.T.I.C. in Saint-Dizier. Auch eine Barcelonafahrt für diejenigen, die Spanisch lernen, steht fest auf dem Stundenplan. Wir bieten außerdem immer wieder internationale religiöse Begegnungen an, wie zum Beispiel eine Woche in Taizé. Warum also auch noch Tschechien? Der Schüleraustausch mit dem größten Pardubicer Gymnasium hat neben der internationalen Begegnung der Jugendlichen vor allem einen kulturellen und geschichtlichen Schwerpunkt. So stehen nicht nur die Prager Kunst- und Kulturdenkmäler auf dem Programm, sondern auch ein Besuch der gerade neu gestalteten Gedenkstätte Lezaky. Hier wird das Andenken an ein Dorf lebendig gehalten, das 1942 samt seinen Bewohnern den Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten auf grausamste Weise zum Opfer fiel, das aber später als Gedenkstätte auch das Unrecht und die Machtdemonstrationen der Kommunisten erlebt hat. Vom Kurator Lezakys differenziert angeleitet, genießen die Jugendlichen aus Tschechien und Deutschland hier gemeinsam lebendigen Geschichtsunterricht. Sie können etwas von der Notwendigkeit erahnen, selbst Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen. Sie jedenfalls werden das Verhältnis zwischen den beiden Völkern sicher freundschaftlich prägen.

Freude und Engagement

28 Schülerinnen und Schüler aus Pardubice waren zu Beginn des letzten Schuljahres zusammen mit ihren beiden Lehrerinnen bei uns zu Gast, 28 unserer Schülerinnen und Schüler vor allem aus den neunten Klassen absolvierten im April ihren Gegenbesuch in Pardubice. Besonders beeindruckend waren einmal wieder die Gastfreundschaft unserer tschechischen Austauschpartner, aber auch die Freude und das Engagement unserer Schüler, das maßgeblich zum Gelingen dieser Reise beitrug. Aber lassen wir doch Sandra Richter, eine Schülerin aus der 9b, zu Wort kommen, die für uns unseren diesjährigen Besuch in Böhmen dokumentiert hat:

Reisetagebuch einer Schülerin

„Am Montag, dem 4. April 2011, starteten wir morgens in Buxheim, um unsere knapp zehnstündige Busfahrt nach Pardubice anzutreten. Als wir dann über die deutsch-tschechische Grenze fuhren, waren alle sehr gespannt, was uns erwarten würde. Erst mal sind wir ein wenig erschrocken, da man den Dörfern dort die Spuren der Nachkriegszeit und der kommunistischen Regierung noch sehr gut ansehen kann. Viele Häuser müssten renoviert werden oder einfach mal ein wenig Farbe sehen. Das änderte sich auch nicht großartig als wir uns Pardubice näherten. Frau Seitz beruhigte uns und da sie da jedes Jahr wieder hinfährt, konnte es nicht so schlimm werden. So war es dann auch wirklich…

Aber jetzt mal von Anfang an. Als wir am späten Nachmittag an der Schule unserer Austauschschüler ankamen, war erst mal große Wiedersehensfreude angesagt. Wir begaben uns so langsam in die Familien und die meisten ließen den Tag mit einem ruhigen Abend ausklingen.

Unsere kleine Kulturreise begann dann am nächsten Morgen in Kutna-Hora (zu Deutsch Kuttenberg), wo wir erst einmal eine Kapelle besichtigten, die nur aus Knochen bestand. Das war eine durchaus bizarre Erfahrung. Danach bewegten wir uns Richtung Ortsmitte, wo sich bald herausstellte, dass Kutna-Hora einer italienischen Altstadt ähnelt. Kleine bunte Häuschen in engen Gassen, ein krasser Kontrast zur Industriestadt Pardubice! Wir besichtigten dort außerdem die Barbarakirche, den Königshof und ein Silberbergwerk. Abends trafen sich die meisten von uns beim Pizzaessen in einem schnuckeligen Restaurant, eine sehr spaßige Veranstaltung!

Mittwoch war Pardubice-Tag. Wir haben an drei Schulstunden teilgenommen und erfahren wie’s in andern Ländern in der Schule so zugeht, und ich muss sagen, der Unterricht war sehr locker. Handys sind erlaubt, schlafen in der Ecke anscheinend auch, aber Hausschuhe muss man tragen! Nach dem Essen in der Schulmensa (es gab Backfisch mit Kartoffeln, so wie‘s aussieht ein internationales Schulgericht), ging´s zur Stadtführung, die Abiturienten für uns in Form eines Quizes vorbereitet hatten. Nach Turmbesteigung und Besichtigung der Pferderennbahn endete unser zweiter gemeinsamer Tag. Einige trafen sich noch mit ihren Familien zum Bowling.

Am nächsten Morgen hieß es: Auf nach Praaag! Für die Mädchen natürlich deeer Shopping-Tag! Aber davor stand erst einmal eine dreistündige Stadtführung auf dem mit Führungen übersäten Wochenplan. Wir wanderten vom Areal der Prager Burg bis zur Karlsbrücke, die länger war, als gedacht. Dann endlich konnten alle Mädels (und auch ein paar mutige Jungs) die internationalen Shoppingstores und das riesige Einkaufszentrum Palladium stürmen.

Freitag war der letzte gemeinsame Tag vor dem Familienwochenende. Dieser Tag begann etwas besinnlicher, denn wir besuchten die Gedenkstätte Lezaky, wo sich am 24. Juni1942, eine Tragödie ereignete, denn die Nazis löschten in einer Vergeltungsaktion dieses Dorf aus. Hier wurde uns klar, dass dieser Austausch auch wichtig für Aussöhnung und Frieden zwischen Tschechen und Deutschen ist. Unser Weg führte uns anschließend nach Zleby. Dort durften wir etwa eine Stunde in dem wunderschönen Schlossgarten (es sah dort aus wie in Hogwarts) verbringen, bevor wir die Burg besichtigten.

Als wir nachmittags dann wieder in Pardubice ankamen, starteten wir alle in ein tolles Wochenende mit unseren Austauschschülern, deren Familien und Freunden. Freitags waren viele in der Disco „Huny-Buny“, wo eine Schulparty stattfand. Samstag waren einige Klettern und viele auf dem Tanzkränzle ihrer Tschechen. Sonntag spielten manche Paintball, für andere stand nochmal Shoppen oder Filme schauen auf dem Programm. Am Abend fand natürlich unser Bunter Abend statt, den wir mit den vorbereiteten Liedern und Tänzen gestalteten.

Am 11. April traten wir dann alle ein bisschen traurig die Rückreise an, aber nicht bevor wir daaas Lebkuchengeschäft in Pardubice geplündert hatten, um die letzten Mitbringsel für unsere Familien und Freunde zu besorgen.

Man kann nur sagen, dass es eine tolle Woche war, dass man auf der tschechischen Tastatur nichts außer Sonderzeichen und Apostrophe findet, die Tschechen sehr viel und sehr süß essen, und einfach ein geniales und nettes Völkchen sind. Ich bin mir sicher, dass wir alle den Kontakt halten werden und wir bedanken uns hiermit noch mal gaaanz ganz herzlich bei allen, die an der Durchführung dieser bombastischen Woche beteiligt waren.


Gabriele Dietrich-Seitz

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